«Liebe Sophie, liebe Mariann, heute nacht bin ich um halb drei aufgewacht. Eine Mücke hatte mich geweckt, und der bleiche Halbmond schien durchs Fenster auf’s untere Ende meiner Decke. So wollte ich nicht liegen. Ich zog mich an und fuhr mit dem Rad durch die halbe Stadt. Die Stadt war still und trocken, die Reifen rieben den Asphalt. Beim Marktplatz fuhr ich in eine Pfütze braunen Wassers. Das Wasser eines Wasserrohrbruchs quoll in grosser Menge aus einem Spalt im Belag und verdunkelte den halben Platz. Aus dem verdammten Grossverteiler nebenan - das Untergeschoss war bestimmt schon halb voll - drangen dumpfe Alarmstösse. Da gab der Boden nach. Eine Schwinde tat sich auf (im Englischen nennt man das Sinkhole) und zog mich und mein Rad und die halbe Welt hinab. Kies, Dreck, Rohre, Kabel, Schlamm überall, aber kein Getöse, nur träges Fliessen. Wir flossen durch des Grossverteilers BüchsenHemdenReisBlusenFlaschenBananenSäckeBroteZigarettenBackhefeKatzenfutterChilischotenEierGemüseZitronenKäse und trieben halb benommen einem unterirdischen See entgegen. Der See war nicht tief, ich fasste Grund und schaute mich um. Ich befand mich in einem gestreckten Raum, die Decke eine Tonnengewölbe, halb hoch, nicht unangenehm, mit Fenstern auf der einen Seite, auf der anderen blanker Fels…» aus dem Nachwort von Trmasan Bruialesi

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